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Die Grande Dame des Orgelspiels zog alle Register

Dame Gillian Weir begeisterte das Publikum in der Stadthalle. Sie ist eine der wenigen Orgelinterpretinnen ohne kirchenmusikalisches Amt.

Die vierte Matinee der Reihe „Orgelpunkt” in der Stadthalle war bislang die beeindruckendste. Dame Gillian Weir, international gefeierter Orgelstar, sorgte mit einem abwechslungsreichen und anspruchsvollen Programm für zwei kurzweilige Stunden.

Die in Neuseeland geborene und von Queen Elizabeth II. in den Adelsstand erhobene Meisterin an der Königin der Instrumente gehört zu den ganz wenigen Orgelkünstlern, die nicht an einer Kirche fest angestellt sind. Sie ist ausschließlich Konzertorganishn. Weir hat das Charisma einer richtigen Grande Dame: Unaufdringliches Selbstbewusstsein ohne Anzeichen von Starallüren strahlt sie aus.

Es war ihr anzumerken, dass sie es genoss, an der prächtigen Stadthallen-Orgel musizieren zu dürfen. Sie spielte gekonnt mit den mannigfalhgen Registrierungsmöglichkeiten inklusive Fernwerk. Marcel Duprés Variationen über ein altes Weihnachtslied op. 20 gestaltete sie ungemein klangfarbenreich, setzte die zehn kontrastreichen Teile mustergültig voneinander ab. Und bei der „Suite Carmelite” von Jean Francaix konnten die Charaktere von sechs Nonnen deutlich nachvollzogen werden.

Anhand von zwei Ausschnitten aus Petr Ebens vierteiligem Zyklus „Sonntagsmusik” aus dem Jahr 1958 demonstrierte sie äußerst versierte Kenatnisse auf dem Gebiet moderner Musik.

Hier wie auch bei Joseph Bonnets „Variations de Concert” op. 1 in e-Moll, Jan Pieterszoon Sweelincks Variationen über „Mein junges Leben hat ein End”, Franz Xaver Schnitzers Sonate in D-Dur und J. Healey Willans Introduction, Passacaglia und Fuge faszinierte Weir mit einer tiefen Auslotung der Notentexte und einer bestechenden Virtuosität.

Selbst schwierigste Passagen gelangen ihr spielerisch leicht und absolut perfekt. Mit zwei kieinen Zugaben bedankte sich die Ausnahmeorganistin für den lang anhaltenden Beifall.

Hoffenflich beehrt Dame Gillian Weir unsere Stadt bald wieder. Das Konzert wurde vom Westdeutschen Rundfunk mitgeschnitten und wird am 22. April um 20.05 Uhr im WDR 3 gesendet.

Von Hartmut Sassenhausen, Westdeutsche Zeitung, Dienstag, 14. 3. 2000,